Unterwegs auf Fehmarn: So erreichen Sie jeden Strand und jeden Leuchtturm

Yachthafen vor der Fehmarnsundbrücke

rphfoto – stock.adobe.com

Auf Fehmarn kommen Sie erstaunlich gut voran, auch ohne eigenes Auto: Seit 2025 fahren Sie mit dem Bürgerbus kostenlos über die ganze Insel, ein rund 300 Kilometer langes Radwegenetz erschließt jeden Winkel, und mit der Scandlines-Fähre nach Dänemark sind Sie in 45 Minuten drüben. Gleichzeitig entsteht direkt vor der Insel mit dem Fehmarnbelt-Tunnel eines der größten Infrastrukturprojekte Europas, das Sie sich von eigens eingerichteten Aussichtspunkten aus ansehen können. Dieser Artikel zeigt Ihnen, wie Sie mit Auto, Bahn, Fähre, Bus und Rad auf und nach Fehmarn kommen, inklusive aktueller Baustellen, die Ihre Anreise betreffen.

Inhaltsverzeichnis

Mit dem Auto: B207 und Fehmarnsundbrücke

Fehmarn hat keine eigene Autobahn. Von Hamburg kommend fahren Sie über die A1, die bei Heiligenhafen in die B207 übergeht, welche als Teil der Vogelfluglinie über die Fehmarnsundbrücke direkt auf die Insel und weiter bis Puttgarden führt. Auf der Insel selbst verbindet die B207 als Hauptachse die Brücke mit Puttgarden über Burg, die Landesstraße L209 erschließt zusätzlich Ost- und Westinsel.

 

  • Fahrzeit: ab Hamburg rund 1,5 bis 2 Stunden, ab Lübeck rund 1 Stunde
  • Die Fehmarnsundbrücke (Baujahr 1963, 963 Meter lang) wird seit 2019 saniert, ein Baugerüst reduziert die Durchfahrtshöhe für Schiffe voraussichtlich bis Ende Dezember 2026
  • Aktuelle Baustelle: Die Brücke Avendorf ist im Zuge des vierstreifigen B207-Ausbaus seit dem 18. Mai 2026 gesperrt, voraussichtlich bis Juni 2027, Umleitung über die U11/U2
  • Stauschwerpunkte laut mehreren Quellen: Freitagnachmittag und Samstagvormittag in der Hauptsaison, vor allem auf der A1 vor Heiligenhafen und an der Fehmarnsundbrücke selbst
 

💡Tipp: Reisen Sie in der Hauptsaison nach Möglichkeit außerhalb von Freitagnachmittag und Samstagvormittag an, dann umgehen Sie die größten Staus vor Heiligenhafen und an der Brücke. Prüfen Sie vor der Fahrt zudem den aktuellen Stand der Baustelle Avendorf, da sich Bauzeiten erfahrungsgemäß verschieben können.

Bahn: Ersatzverkehr mit dem X85

Seit 2022 gibt es keine durchgehende Zugverbindung mehr zwischen Lübeck und Fehmarn, weil die Strecke für den Ausbau der Hinterlandanbindung zum Fehmarnbelt-Tunnel umgebaut wird. Als Ersatz verkehrt der Expressbus X85 stündlich zwischen Lübeck Hauptbahnhof und Burg beziehungsweise Puttgarden, mit Zwischenhalten unter anderem in Heiligenhafen. Der Bahnhof Burg auf Fehmarn ist derzeit der einzige Halt auf der Insel, Fernverkehrsreisende steigen in Lübeck Hbf auf den X85 um, Tickets gibt es an den Automaten oder online über bahn.de.

Beim Wiedereröffnungstermin der durchgehenden Zugverbindung widersprechen sich die Quellen: Während Fehmarn Tourismus von rund 2029 ausgeht, nennt eine unabhängige Quelle eher 2032. Verlassen Sie sich für die Reiseplanung besser auf den aktuellen Fahrplan des Expressbusses als auf ein festes Wiedereröffnungsjahr.

 

💡Tipp: Planen Sie beim Umstieg in Lübeck Hbf etwas Pufferzeit ein, und prüfen Sie den aktuellen X85-Fahrplan über die NAH.SH-App oder bahn.de, bevor Sie Ihre Anschlussverbindung buchen.

Fähre Puttgarden–Rødby

Die Scandlines-Fähre verbindet Puttgarden mit dem dänischen Rødby in rund 45 Minuten. Sie verkehrt nahezu rund um die Uhr, tagsüber alle 30 Minuten und nachts stündlich, nach dem Prinzip „turn up and go" ohne Reservierungspflicht. Der Bahnhof Puttgarden liegt direkt am Fährhafen, die Anreise ist also auch ohne Auto möglich.

Die Fähre fährt während der gesamten Bauzeit des Fehmarnbelt-Tunnels unverändert weiter und bleibt bis zu dessen Eröffnung die einzige Wasserverbindung auf der Vogelfluglinie. Seit Dezember 2019 nutzen die EuroCity-Züge zwischen Hamburg und Kopenhagen die Fähre allerdings nicht mehr, sie fahren stattdessen über Jütland via Flensburg und Padborg, der frühere Eisenbahn-Fährverkehr über den Belt ist damit bereits Geschichte.

 

💡Tipp: Da keine Reservierung nötig ist, können Sie spontan zur nächsten Abfahrt fahren. In der Hauptsaison kann es an der Einfahrt trotzdem zu Wartezeiten kommen, planen Sie deshalb etwas Puffer ein.

Der Fehmarnbelt-Tunnel: Baustelle der Superlative

Zwischen Puttgarden und dem dänischen Rødbyhavn entsteht der Fehmarnbelt-Tunnel, nach Fertigstellung der längste Absenktunnel der Welt sowie der längste kombinierte Straßen- und Schienentunnel seiner Art. Gebaut wird er von der dänischen Femern A/S aus 89 vorgefertigten Betonelementen, die in einen ausgehobenen Meeresgraben abgesenkt werden, im Mai 2026 wurde das erste Element auf dänischer Seite versenkt.

 

Kennzahl Wert
Baubeginn 2020
Länge rund 18 km
Tunnelelemente 89 Stück, geplant rund 1 bis 2 pro Woche abgesenkt
Fahrzeit Pkw (nach Eröffnung) rund 10 Minuten
Fahrzeit Bahn (nach Eröffnung) rund 7 Minuten
Geplante Eröffnung mehrfach verschoben: ursprünglich 2021, zwischenzeitlich 2029, aktuell 2031 für die Straße, Schienenanbindung nicht vor 2032

 

Auf deutscher Seite läuft parallel der vierstreifige Ausbau der B207 über rund 16,3 Kilometer als Hinterlandanbindung. Für Besucher gibt es ein Infocenter in Burg mit Tunnelmodell sowie Aussichtspunkte bei Puttgarden, von denen aus Sie die Bauarbeiten beobachten können, Drohnenflüge sind dort allerdings verboten.

 

💡Tipp: Verlassen Sie sich bei der Reiseplanung nicht auf ein festes Eröffnungsjahr, der Termin hat sich bereits mehrfach verschoben. Für einen aktuellen Zwischenstand lohnt sich stattdessen ein Besuch im Infocenter Burg oder an einem der Aussichtspunkte bei Puttgarden.

Die Fehmarnsundquerung: Tunnel statt zweiter Brücke

Getrennt vom Belt-Tunnel-Projekt gibt es ein zweites Bauvorhaben direkt an der Insel: Die 1963 gebaute Fehmarnsundbrücke gilt statischen Untersuchungen zufolge künftigem Verkehrsaufkommen langfristig nicht mehr gewachsen. Statt eines Neubaus der Brücke entsteht daher ein neuer, rund 1,7 Kilometer langer Absenktunnel mit vier Fahrspuren und zwei Gleisen, bei Kosten von rund 700 Millionen Euro, der im Idealfall zeitgleich mit dem Belt-Tunnel fertig werden soll.

Die historische Fehmarnsundbrücke steht seit 1999 unter Denkmalschutz und wird nicht abgerissen. Nach Eröffnung des neuen Tunnels bleibt sie erhalten, dann aber nur noch zweistreifig und für Fußgänger, Radfahrer sowie lokalen und langsamen Verkehr geöffnet, als Panoramaroute über den Sund.

 

💡Tipp: Genießen Sie die Überquerung der historischen Brücke schon jetzt bewusst, ihre Rolle als Hauptverkehrsader wird sie nach Fertigstellung des neuen Tunnels verlieren, als Panoramaroute mit Blick auf den Sund bleibt sie aber erhalten.

ÖPNV auf der Insel: Bürgerbus und kostenloser Linienbus

Zuständig für den ÖPNV auf Fehmarn ist der Kreis Ostholstein, für die Bahnersatzverbindungen und den überregionalen Busverkehr das Land Schleswig-Holstein. Weil das reguläre ÖPNV-Angebot des Kreises lange als unzureichend galt, ergänzt der Bürgerbusverein Fehmarn e.V., unterstützt von der Stadt, das Netz mit einem eigenen, relativ neuen Angebot.

 

  • Bürgerbus (seit 1. April 2025): kostenlos auf der gesamten Insel. April bis Oktober im festen Linienverkehr, November bis März als telefonischer Anrufbus mit Anmeldung unter der Vereins-Mobilnummer. Kostenlos für Hauptwohnsitz-Inhaber auf Fehmarn und für Gäste mit Ostseecard, Kinder und Menschen mit Schwerbehinderung fahren ohne gesonderten Nachweis mit
  • Regulärer Linienbus (seit 1. August 2025): in Burg, Burgtiefe, Landkirchen, Strukkamp, Wulfen und Umgebung ebenfalls kostenlos, Fahrräder und Hunde sind erlaubt, Fahrpläne finden Sie über die NAH.SH-App
  • Finanzierung: über die Kurabgabe, die Gäste beim Tourismus-Service Fehmarn zahlen, plus Eigenanteil der Stadt für Einwohner
  • Weitere Anbindung: zusätzliche NAH.SH-Linien wie 590, 591, 595 und 598A/B bedienen unter anderem den Bahnhof Burg, überregional verkehren der Expressbus X85 sowie Fernbusse, darunter FlixBus, bis zum Hafen Puttgarden
 

💡Tipp: Das kostenlose Angebot von Bürgerbus und Linienbus ist noch recht neu und wird in älteren Reiseartikeln oft noch nicht erwähnt, prüfen Sie die aktuellen Linien und Fahrzeiten am besten direkt über die NAH.SH-App, bevor Sie Ihre Tage auf der Insel ohne Auto planen.

Fahrrad: Die Insel auf zwei Rädern

Fehmarn gilt als eine der fahrradfreundlichsten Ostseeinseln: flaches Terrain, gut ausgebaute Wege und mit rund 185 Quadratkilometern Fläche kurze Distanzen zwischen den Orten. Rund 300 Kilometer ausgebaute Radwege durchziehen die gesamte Insel, davon bildet ein separater, rund 78 Kilometer langer Rundweg die Strecke einmal komplett um Fehmarn, beide Zahlen bezeichnen also unterschiedliche Dinge und sollten nicht verwechselt werden.

Ein Fahrradpass mit Stempelstationen motiviert zu eigenen Touren: Wer 10, 15 oder 20 von insgesamt 24 Stationen abgestempelt hat, erhält eine bronzene, silberne oder goldene Radnadel als Prämie. Rund 15 Fahrradverleihe und über 20 E-Bike-Ladestationen sind über die Insel verteilt, viele Anbieter liefern die Räder direkt zur Unterkunft und holen sie dort wieder ab. Beliebte Routen sind laut mehreren Anbietern die Ostküstenroute entlang der Steilküste, die Sundbrücke-Tour sowie eine Vogeltour durch das Wasservogelreservat Wallnau. Auch die Fehmarnsundbrücke dürfen Sie mit dem Rad überqueren, allerdings nur auf dem separaten Radweg, nicht auf der Schnellstraße.

 

💡Tipp: Buchen Sie Leihräder, insbesondere E-Bikes, in der Hauptsaison möglichst vorab, die Nachfrage übersteigt an sonnigen Tagen regelmäßig das verfügbare Angebot.

Alle Verkehrsmittel auf einen Blick

Ob mit oder ohne eigenes Auto: Diese Übersicht fasst zusammen, wie Sie am besten auf und über die Insel kommen.

 

  • Anreise mit dem Auto: A1 bis Heiligenhafen, dann B207 über die Fehmarnsundbrücke, rund 1,5 bis 2 Stunden ab Hamburg
  • Anreise ohne Auto: X85-Expressbus ab Lübeck Hbf bis Burg oder Puttgarden, alternativ Fernbus bis Puttgarden Hafen
  • Weiter nach Dänemark: Scandlines-Fähre Puttgarden–Rødby, rund 45 Minuten, ohne Reservierung
  • Unterwegs auf der Insel: kostenloser Bürgerbus (ganze Insel) und kostenloser Linienbus (Burg und Umgebung)
  • Aktiv unterwegs: rund 300 km Radwege, davon ein 78 km langer Rundweg um die gesamte Insel
 

💡Tipp: Mit Bürgerbus, kostenlosem Linienbus und dem dichten Radwegenetz lässt sich ein Urlaub auf Fehmarn für Familien und Radurlauber gut ganz ohne eigenes Auto planen, das eigene Fahrzeug brauchen Sie eigentlich nur noch für die An- und Abreise selbst.

Zuletzt bearbeitet am: 23. September 2026

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