Spannende Fakten über Fehmarn: Was sie über die Insel wissen sollten

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Fehmarn hat mehr zu erzählen, als die meisten Urlauber wissen. Die Insel war bis 1990 die größte der Bundesrepublik, kannte nie Leibeigenschaft und wurde 1970 zur Bühne für einen der letzten großen Open-Air-Auftritte von Jimi Hendrix. Dazu kommen die Fehmarnsundbrücke, im Volksmund „Kleiderbügel“, und der im Bau befindliche Fehmarnbelt-Tunnel, künftig der längste Absenktunnel der Welt. Dieser Artikel sammelt die spannendsten Fakten der Insel und zeigt warum sich ein Urlaub auf der Insel lohnt.
Inhaltsverzeichnis
- Steckbrief: Zahlen und Fakten im Überblick
- Geschichte: Von der Steinzeit zur Stadt Fehmarn · Die Eroberung von 1420 · Vom dänischen Lehen zur preußischen Provinz
- Bauwerke: Die Fehmarnsundbrücke · Der Fehmarnbelt-Tunnel
- Musikgeschichte: Jimi Hendrix und das Love-and-Peace-Festival
- Natur: Vogelfluglinie und Wasservogelreservat Wallnau
- Wassersport: Warum Fehmarn als „Hawaii des Nordens“ gilt
Zahlen und Fakten im Überblick
Fehmarn ist mit 185 Quadratkilometern die drittgrößte deutsche Insel nach Rügen und Usedom, die einzige Ostseeinsel Schleswig-Holsteins und die einzige Insel im Kreis Ostholstein. Seit dem 1. Januar 2003 bildet die gesamte Insel eine einzige Kommune, entstanden aus der Fusion von Burg, Bannesdorf, Landkirchen und Westfehmarn, mit Verwaltungssitz in Burg. Als Stadt ist Fehmarn damit flächenmäßig die zweitgrößte Schleswig-Holsteins, nach Lübeck. Den rund 12.500 bis 13.000 fest gemeldeten Einwohnern stehen laut Tourismus-Service Fehmarn jedes Jahr etwa 420.000 Touristen mit fast drei Millionen Übernachtungen gegenüber, ein Verhältnis, das erklärt, warum Infrastrukturprojekte wie der Fehmarnbelt-Tunnel für die Insel eine so große Nummer sind.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Fläche | 185 km² |
| Küstenlinie | rund 78 km |
| Einwohner | rund 12.500 bis 13.000, davon etwa 6.000 in Burg |
| Höchste Erhebung | Hinrichsberg, rund 28 Meter (Quellen weichen leicht ab) |
| Extrempunkte | Staberhuk: östlichster Punkt Schleswig-Holsteins, Marienleuchte: nördlichster Punkt bei Puttgarden |
| Namensherkunft | slawisch „fe mer“/„fer mer“, „am bzw. im Meer gelegen“, erste Erwähnung um 960 |
| Einwohnerbezeichnung | Fehmaraner |
| Leuchttürme | fünf auf der Insel |

Geschichte: Von der Steinzeit zur Stadt Fehmarn
Fischer besiedelten die spätere Insel bereits um 7000 vor Christus, zur Insel wurde das Land erst rund 4300 vor Christus durch den steigenden Meeresspiegel. Die spannendste Episode bleibt die Eroberung von 1420: König Erich der Pommer griff mit 700 Schiffen an, wurde zunächst abgewehrt, die Fehmaraner verspotteten ihn, er gewinne das Land erst, wenn die Kuh Seide spinne. Drei Tage später gelang die Landung doch, die Insel wurde fast vollständig zerstört. Der Sage nach überlebten nur drei Fehmaraner, ein Mackeprang, ein Rauert und ein Witte, Namen, die bis heute auf der Insel vorkommen. 1617 verbot Fürstbischof Johann Friedrich dem Adel Landbesitz auf Fehmarn, deshalb gab es hier, anders als in weiten Teilen Norddeutschlands, nie Leibeigenschaft. 1867 wurde die Insel preußisch, 1946 Teil von Schleswig-Holstein, 2003 fusionierten alle Gemeinden per Bürgerbefragung zur heutigen Stadt Fehmarn, seither meinen „Stadt“ und „Insel Fehmarn“ dasselbe.
Redaktionstipp: Hören Sie Familiennamen wie Mackeprang, Rauert oder Witte auf der Insel, wissen Sie jetzt, worauf sie zurückgehen, eine der prägnantesten Fehmarn-Fakten überhaupt.

Wahrzeichen zwischen Brücke und Tunnel
Zwei Bauwerke prägen den Blick auf Fehmarn von der Festlandseite aus: die bestehende Fehmarnsundbrücke und der im Bau befindliche Fehmarnbelt-Tunnel, der sie in ihrer heutigen Rolle künftig ablösen wird.
Die Fehmarnsundbrücke, der „Kleiderbügel“
Wegen ihrer markanten Bogenform heißt die Fehmarnsundbrücke im Volksmund „Kleiderbügel“, neben dem Flügger Leuchtturm das prägendste Wahrzeichen der Insel. Offiziell eröffnet am 30. April 1963, ging sie durch einen strengen Winter tatsächlich schon am 16. Januar desselben Jahres in Betrieb, noch vor der eigenen Einweihung, weil der Fährverkehr zwischen Großenbroderfähre und Fehmarnsund wochenlang lahmlag.
- Länge: 963 m, über einem rund 1.300 m breiten Sund
- Breite: 21 m, Höhe: 67 m
- Größte Spannweite: 248 m, Durchfahrtshöhe: rund 22 bis 23 m über Mittelwasser
- Nutzung: je eine Fahrspur pro Richtung plus eingleisige Bahnstrecke, seit 1999 unter Denkmalschutz
Mit dem Tunnel ändert sich ihre Rolle: Sie bleibt erhalten, aber nur noch für Fußgänger, Radfahrer und regionalen Verkehr. Der Bahnverkehr entfällt, die B 207 wird aus der Bundesbaulast entlassen und zur Landesstraße abgestuft.
Der Fehmarnbelt-Tunnel: längster Absenktunnel der Welt
Zwischen Puttgarden und Rødbyhavn auf Lolland entsteht mit 18,1 Kilometern Länge der längste Absenktunnel der Welt und zugleich der längste kombinierte Straßen- und Eisenbahntunnel seiner Bauart. Gebaut wird er aus 89 vorgefertigten Elementen, die in einen Graben am Meeresboden versenkt und von dänischer und deutscher Seite aus aneinandergefügt werden, das letzte Element trifft in der Mitte des Belts.
- Standardelement: 217 m lang, 42 m breit, neun Segmente mit vier Röhren für Autobahn und Bahn plus Serviceröhre
- Ausgehobener Meeresboden: rund 19 Mio. m³, verbauter Beton: 3,2 Mio. m³
- Kosten: rund 7,9 Mrd. Euro, getragen von Dänemark
- Nutzungsdauer: ausgelegt auf 120 Jahre
- Bahnfahrzeit Hamburg–Kopenhagen künftig: rund 2:30 Std. (vorher über 5 Std.), Güterzugstrecke rund 160 km kürzer als über Flensburg
- Zusätzlich: kleinerer Absenktunnel unter dem Fehmarnsund selbst, westlich der Brücke, je nach Quelle 1,5 bis 1,8 km lang
Beim Fertigstellungstermin lohnt Vorsicht: Ursprünglich war 2021 geplant, Fehmarn Tourismus nennt aktuell 2029, andere Quellen eine 2026 aktualisierte Prognose von 2031, mit Schienenanbindung nicht vor 2032. Im Mai 2026 wurde das erste Tunnelelement auf dänischer Seite abgesenkt, transportiert mit fünf Schleppern und einem eigens konstruierten Spezialschiff.
Hinweis für die Anreise: Der genaue Fertigstellungstermin des Tunnels verschiebt sich seit Jahren, verlassen Sie sich bei Reiseplanungen nicht auf ein festes Jahr, sondern prüfen Sie den aktuellen Baufortschritt kurz vor der Reise.

Jimi Hendrix und das Love-and-Peace-Festival
Vom 4. bis 6. September 1970 fand auf einer rund 50 Hektar großen Wiese beim Leuchtturm Flügge das Love-and-Peace-Festival statt, mit etwa 25.000 Besuchern, als deutsche Antwort auf Woodstock nach dem Vorbild des Isle-of-Wight-Festivals, möglich erst durch die Brücke von 1963. Veranstaltet hatten es ein Ingenieur, ein Gastwirt und ein Student, alle Ende 20 bis Anfang 30. Der Verlauf war chaotisch: Dauerregen und Sturm, gewalttätige Rocker an der Eintrittskontrolle, ein demoliertes Fahrzeug der Festivalleitung, verschobene Auftritte und ausgefallene Bands.
Ein Detail, das viele Artikel falsch wiedergeben: Fehmarn war Hendrix' letzter großer Open-Air-Auftritt, nicht sein letzter Auftritt überhaupt. Am 16. September 1970 stand er noch einmal im Ronnie Scott's Jazz Club in London mit Eric Burdon auf der Bühne, kurz darauf starb er mit 27 Jahren. Der Mitschnitt von Fehmarn existiert nur, weil die Veranstalter zwei Bühnenmikrofone ohne Wissen der Band in ein handelsübliches Revox-Tonbandgerät einspeisten, daraus entstand später das offizielle Album „Live at the Isle of Fehmarn“. Seit 1997 erinnert ein roter, etwa 2,5 Meter hoher Granitfindling nahe dem Campingplatz Flügger Strand an das Festival, aufgestellt an der damaligen Bühnenposition. Von 1995 bis 2010 gab es dazu ein jährliches Jimi-Hendrix-Revival-Festival, die geplante Ausgabe 2011 scheiterte an naturschutzrechtlichen Auflagen, zum 50. Jubiläum 2020 fand ein Festival in Staberhuk statt.
💡Tipp: Der Gedenkstein beim Campingplatz Flügger Strand lässt sich gut mit einem Besuch des nahen Flügger Leuchtturms verbinden, dem ursprünglichen Festivalgelände von 1970.
Vogelfluglinie und Wasservogelreservat Wallnau
Die Naturschutzgebiete der Insel liegen entlang der namensgebenden Vogelfluglinie, auf der Zugroute zwischen Brut- und Überwinterungsgebieten vieler Vogelarten. Zentrales Schutzgebiet ist das NABU-Wasservogelreservat Wallnau an der Westküste, rund 300 Hektar groß, ab 1975 als Brut- und Schutzstätte eingerichtet. Ein Kanalsystem regelt die Wasserstände in Wiesen, Gräben und Teichen gezielt und schafft so Brutbedingungen für über 80 Vogelarten, gemachte statt vorgefundene Natur. Dazu gehören ein Informationszentrum, ein Naturschutzmuseum, Beobachtungsstände und ein Naturlehrpfad. Landschaftlich zeigt sich Fehmarn wechselhaft: Dünen im Norden, Steilküste im Osten, Sandstrände im Süden und Westen, dazwischen Ackerland, ein Produkt der Weichsel-Eiszeit, vom Festland abgetrennt erst vor rund 6.300 Jahren durch den nacheiszeitlichen Meeresspiegelanstieg.
Praktisch zu wissen: Das Informationszentrum in Wallnau eignet sich gut als Einstieg, bevor Sie zu den Beobachtungsständen weiterziehen, besonders während der Zugvogelsaison im Frühjahr und Herbst.
Warum Fehmarn als „Hawaii des Nordens“ gilt
Rund um die Insel gibt es je nach Quelle zwischen etwa 16 und knapp 20 ausgewiesene Surf- und Kitespots, eine amtliche Gesamtzahl fehlt. Zu den bekanntesten zählen der Grüne Brink im Nordosten, der Südstrand bei Burgtiefe, die Orther Reede als Stehrevier, Gollendorf, Presen als einziger Spot bei Nordwind sowie Meeschendorf als Brandungsrevier für Einsteiger. Anders als das echte Hawaii richtet sich Fehmarn dabei nicht nur an Profis: Große, flache Stehreviere wie der Burger Binnensee am Wulfener Hals oder die Orther Reede machen die Insel zusätzlich zu einem der bekanntesten Schulungsgebiete für Einsteiger, Hawaii für die Welle, Fehmarn für alle Könnensstufen. Die Windsurf-Tradition geht auf die Charchulla-Zwillinge zurück, die Fehmarn seit den 1970er-Jahren als Surfrevier etablierten. Welche Kite- und Surfschulen an welchem Spot unterrichten, mit Adressen und Google-Bewertungen, lesen Sie in unserem separaten Artikel zum Surfen auf Fehmarn. Ein Werbeargument der Veranstalter: An jedem zweiten Maitag herrschen im Schnitt mehr als vier Windstärken.
Am Südstrand findet an Christi Himmelfahrt seit 2003 das Surffestival statt, entstanden aus dem Jubiläum eines Surf-Magazins, laut Veranstalter mit über 30.000 Besuchern. Beim genauen Austragungsort lohnt Vorsicht: Die Chronik der Veranstalterseite beschreibt einen Umzug nach Neustadt-Pelzerhaken 2010, aktuelle Beschreibungen nennen wieder den Südstrand, prüfen Sie vor der Anreise den aktuellen Standort. Seit 2016 findet zudem der Kitesurf World Cup am Südstrand statt.
Zur Einordnung: Prüfen Sie vor einer gezielten Anreise zum Surffestival den aktuellen Austragungsort auf der offiziellen Veranstalterseite, da sich der Standort in der Vergangenheit bereits verschoben hat.
Zuletzt bearbeitet am: 15. September 2026